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Keep On Rockin' in the free world - with Pearl Jam

Massenweise ausverkaufte Konzerte - und das bei ihrer ersten Tour in Europa! Reihenweise begeisterte Fans, die beim ersten Ton völlig ausrasten und die Texte auswendig mitsingen! Wer sagt denn, daß nach einem trüben Morgen nicht doch noch irgendwie die Sonne aufgehen kann?
Vor dem definitiv geilsten Konzert, das ich die letzten fünf Jahre gesehen habe, unterhielt ich mich sehr angenehm mit dem Schlagzeuger David der etwas anderen Band aus Seattle, die neben ihm noch aus Eddie Vedder (voc), Stone Gossard (guit), Mike McCready (guit), und Jeff Ament (bass) besteht.

Natürlich hatte ich erstmal keine Ahnung, daß mein Gesprächspartner der neue Mann war - das erfuhr ich erst, als ich ihn nach der Entstehung der Songs fragte und er nebenbei erwähnte, daß er nicht Dave Krusen sondern David Abbruzzese sei (den Nachnamen habe ich mir extra aufschreiben lassen - versuch das mal zu verstehen, bei dem Slang!) - und erst seit sieben Monaten dabei, folglich habe er nur fertige Songs serviert bekommen. Bei dem Konzert merkte man das allerdings überhaupt nicht - im Gegenteil: sein ausdrucksvoller Stil und vor allem seine Unkompliziertheit passen voll zur Band. Von Starallüren anderer ,shooting stars' also keine Spur. Unkompliziert auch, wie er in die Band kam: "Die riefen mich eines Morgens an und meinten, 'Hey, du hast einen Job!'" Und bescheiden ist er auch: "Nach meiner Definition kann ich schon von der Musik leben - ich meine, so lange ich soviel Musik machen kann, wie ich will, und einen Platz zum Leben habe, ohne laufend von Gläubigern verfolgt zu werden, das langt mir vollauf." Na da hat er dann aber doch mächtig untertrieben, aber was soll?s, andere verdienen mit schlechterer Musik wesentlich mehr Kohle! Und die sind bei weitem nicht so produktiv wie Pearl Jam, was mir David auch bestätigt: ?Wir haben einen Haufen Songs, die gerade mal nebenbei beim Jammen entstehen. Und Eddie ist wirklich klasse: ihm fällt immer gleich etwas ein, und beim nächsten mal hat er schon fertige Lyrics dabei - wenn er nicht gleich mit einer Story und einer kleinen Melodie kommt, die er mit Stone ausgearbeitet hat und zu der wir dann jammen. Schon haben wir wieder einen neuen Song. Ein neues Album wird es in nächster Zeit nicht zu erwarten sein, denn nach der Europa- Tour folgt eine kurze Pause, und ein paar Festivals. Das alles dauert bis September, also volles Programm!?
Kein Wunder bei der momentanen Nachfrage nach ehrlicher und aufrichtiger Musik, die Pearl Jam nunmal voll und ganz verkörpern. Dementsprechend optimistisch äußerte sich David auch zu der Vermutung, daß der Untergrund der 80er zum Mainstream der 90er werden wird: ?Hoffentlich! Ich meine, welches Kid will sich heute noch Musik anhören, bei der es hauptsächlich um pussies, fucking, Autos und sonstiges irreales Zeug geht, sie aber zu Hause mit Problemen kämpfen, die eben nun mal ihr Alltag sind. Dazu kommt noch, daß sie laufend mit solchen Umweltproblemen wie dem Sterben der Regenwälder oder dem Ozonloch konfrontiert werden - das ist die Welt, in der sie leben und der sie vor allem überleben müssen. Da ist es ganz normal, daß sie nicht auf so ein unwirkliches Ding von Bon Jovi oder Poison abfahren, die ja nicht einmal annähernd in der gleichen Gedankenwelt wie diese Kids leben. Ich meine, die waschen ja nicht mal ihre Socken selbst - wie sollten sie da auch an Umweltverschmutzung durch Waschmittel oder einen Müllberg Gedanken verschwenden.
Deshalb fahren diese Kids auf Nirvana, Soundgarden oder eben auch auf uns ab: wir waschen unsere Socken nämlich noch selbst. Eines Tages werden solche Bands vielleicht auch ganz groß sein und mit ihrer Meinung, ihren Texten und ihrer Attitüde hoffentlich viele Leute beeinflussen können. Insofern werden sie auch mainstream in Bezug auf die Größe ihres Publikums sein.? Bei dem musikalischen Potential, das offensichtlich in Pearl Jam steckt, wird das hoffentlich auch der Fall sein! Nun, da wir gerade mal von anderen Bands sprachen, fragte ich ihn nebenbei nach seiner ersten selbst gekauften Platte, und zu meiner Freude war es die ?Dirty Deeds...?- LP von AC/DC, die er billigst in einem Second-Hand Laden erstand. Aber egal, zurück zu Pearl Jam, die ja mit ihrer ersten LP gleich einen Majordeal mit dem EPIC- Label bekamen. Und der garantiert ihnen kontinuierlichen Aufbau ihrer Karriere über alle Hypes hinaus. Für David und Stone (Der übrigens an einem Projekt mit Ice Cube arbeitet) gibt es auch keine Widersprüche zwischen ehrlicher Musik und einer Major- Company, die an ihnen gut verdient. Stone: ?Was soll das - ich meine, wir wußten von Anfang an, daß sie mit uns mächtig Kohle machen würden; allerdings wußten wir auch von Anfang an, daß wir mit ihnen verdienen würden - und das ist doch okay, oder?!? Klar- deswegen hakte ich auch nicht weiter nach und beschloß, den Bandnamen und dessen Entstehung zu untersuchen: ?Tja, da kannst du etliche Magazine aufschlagen, und in jedem wirst du eine andere Version finden - ich persönlich kann mich nicht mehr an die wahre erinnern, aber am besten finde ich die, daß das Wort ?pearl? erstmal cool klingt, und ?jam? resultiert aus einem Konzert von Neil Young, das Jeff und ein paar Kumpels gesehen haben, und er spielte in drei Stunden ca. 10 Songs, wobei er in Ewigkeiten jammte. (Deswegen bestimmt auch das Cover ?Keep On Rock`In The Free World? in der Live Setlist)....Und eines Nachts erschien ihm Neil Young im Traum und flüsterte ihm die magischen Worte ins Ohr: Nenn` die Band Pearl Jam, nenn` die Band Pearl Jam...

Was natürlich ausgemachter Quatsch war - aber um so ernster hörte er sich folgendes Zitat von Martin Luther King jr. an: Im Mittelpunkt der Gewaltlosigkeit steht das Prinzip der Liebe. Im Verlaufe seines Lebens muß man genug Verstand und Charakter besitzen, um die Kette des Hasses zu unterbrechen. Dazu benötigt man eine übersprudelnde Liebe, die völlig spontan, nicht zielgerichtet, grundlos und einfallsreich sein muß. ?Geil, Martin Luther King war sowieso genial! Ich meine, in den Staaten, bzw. Texas, wo ich herkomme, ist es so, daß 2/3 der Leute nicht zugeben würden, daß sie Rassisten sind, das andere Drittel gibt es zu. Ein Kumpel von mir ist ein Schwarzer (jetzt heißt das ?Afro- Amerikaner?), und wenn wir zusammen waren, mußten wir oft verdammt viele gefährliche Situationen durchstehen, nur, um zusammenbleiben zu können. Rassismus ist nichts anderes als grundloser Haß - und jeder, der grundlos haßt, ist einfach ein Ignorant und verhält sich lächerlich. Die meisten Leute wissen nicht einmal genau, welches Problem sie haben, und wenn du nach einer wahren Antwort suchst, fangen sie an zu stottern und wissen nicht, warum. Ich verstehe es zwar, wenn jemand voreingenommen ist, weil er mit einer Person eine schlechte Erfahrung gemacht hat - aber verdammt, ich habe auch schlecht Erfahrung mit Weißen, Japanern, egal wem gemacht -, deswegen hasse, ich aber noch lange nicht jeden.? Auch ein Zitat von Tom Robbins, einem Romanautor aus Seattle, fand David sehr treffend (das Buch heißt übrigens ?Buntspecht? und ist sein erster Roman): Das letzte Viertel das 20sten Jahrhunderts ist eine rauhe Zeit für Liebende. Es ist eine Zeit, da Frauen sich offen gegen die Männer empören, eine Zeit, in der Männer sich einer Frau verraten fühlen, eine Zeit, da es den romantischen Beziehungen so ergeht wie dem Eis im Frühling und viele Kinder auf zerklüfteten und ungastlichen Schollen stranden. ?Ja, stimmt, stimmt leider genau, aber irgendwie gibt es doch so eine Art Bewegung - ich meine, es gibt doch glücklicherweise immer noch Leute, die an die Welt, das Leben, an die Liebe oder an Kinder glauben, Eltern, die ihre Probleme nicht auf dem Rücken ihrer Kinder austragen (?Why Go Home?). Ich meine, die Leute, die ich kenne, sind sehr glücklich und haben noch Hoffnung.?

Ach, apropos ?drum?: David hatte mir irgendwann mit leuchtenden Augen etwas von seiner neuen Schlagzeuganfertigung erzählt, die er noch auf der zu diesem Zeitpunkt in Frankfurt stattfindenden Musikmesse abholen müßte, und irgendwie merkte man, daß es ihm langsam in den Fingern juckte. Verständlich. Also versuchte ich noch schnell, etwas über die Texte von Pearl Jam herauszufinden. ?Die hat alle Eddie geschrieben, das sind persönliche Erfahrungen, die absolut wahr sind. Eigentlich sollten wir nicht darüber reden - die Texte sind sein Ding -, aber nun gut, es gibt viele mögliche Interpretationen für jeden, der aufmerksam zuhört, und jeder kann sie in seinen eigenen Rahmen stecken und sich ,mit ihnen irgendwo identifizieren. Ich mag seine Texte wirklich und entdecke immer wieder etwas neues an ihnen. ?Evenflow? ist für mich z.B. über dieses Mittelding, das du für dich selbst finden mußt, um in dieser Welt zurechtzukommen. Auf der einen Seite steht das, was du tun willst, auf der anderen das, was du tun sollst - irgendwo dazwischen mußt du dich einpendeln, um in der Gesellschaft zu überleben. ?Once` ist für mich über jemanden, der total erledigt ist und mit nichts mehr zurechtkommt, den Leute um sich herum aber die Schuld gibt und sich sagt: ?Wenn ich das hier nicht überlebe, dann sollt ihr auch nicht weiterleben!? und der dann Amok läuft, massenweise Leute abknallt. Was Eddie allerdings mit seinen Texten beabsichtigt und was er damit wirklich meint, kann und will ich nicht sagen - auf jeden Fall haben sie alle einen realistischen Bezug!?

Zu mehr langte es leider nicht mehr, denn auf einmal rief ein Roadie David zu seinem Taxi. Anyway, ich fände es sowieso besser, wenn Ihr Euch zu den Texten von Pearl Jam Eure eigenen Gedanken macht. Hört Euch ?Ten? ruhig mal öfter an - wer?s schon kennt, dem sei gesagt, daß an der ?Alive?- Maxi ein bisher unveröffentlichtes Stück, nämlich ?Wash? enthalten ist.

Wort : Peter Weiß
Zeitschrift: Break Out
Jahrgang: Mai 1992
thx to (the one and only) Annette