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Weiterrocken in der freien Welt der Fenstergucker

Pearl Jam sorgten für einen musikalisch und symbolisch aufregenden Abend

Seattle tauchte eines Albums auf der musikalischen Landkarte auf, der Rock wurde, never mind, in die 90er gerettet, hieß jetzt Grunge und war todtraurig, aber aufrichtig. Kurt Cobain kam auf die Idee, dass wir alle Marionetten einer teen-geilen Kulturindustrie sind. Als er es selbst als Protagonist dieser verlogenen Maschinerie nicht mehr aushielt, schoss er sich ins Nirvana. Pearl Jam wählten einen anderen Weg. Darum gibt es sie nach wie vor.

So weit wie möglich versuchen die fünf Mannen um den sympathischen Charismatiker Eddie Vedder, sich aus den Mechanismen der globalen Entertainment-Fabrik herauszuhalten. Sie drehen keine Videos, halten sich bei der Promotion zurück, jagen keinen Trends nach, machen Selbstbewusstsein nicht von der Hitparade abhängig, produzieren schlicht gerade, schnörkellose, tiefgehende, nachdenkliche, ergreifende, mal schnelle, mal langsame Gitarrenmusik.

Die Zeit, die sie sich durch die Verweigerung der Vereinnahmung ersparen, kommt der Musik zu gute. Als Einheit, perfekt aufeinander abgestimmt, präsentierten sich die Ikonen der ach so verzweifelten Generation X am Sonntag auf dem Salzburger Residenzplatz.

Einen besseren, österreichischeren Ort kann man sich, abgesehen vom Wiener Heldenplatz, für einen Auftritt junger Gesellschaftskritiker aus den USA kaum denken: Tradition pur unter blassblauem Himmel bei absoluter Windstille. Mit Kirche, Museum, Hutgeschäft und - einer Fassade voller Fenstergucker. Pearl Jam wurden dem ausgesetzt, wogegen sich die Regierung so wehrt: Beobachtung. Höflicher Rockmusiker

An mehr als 14 Maueröffnungen gingen die Lichter an, Bewohner (oder Mitarbeiter der Staatspolizei? oder des Bundesdenkmalschutzes?? oder des Vereins für Volksmusik???} lugten heraus, betrachteten das wilde Rock-'n'-Roll-Treiben. Eddie Vedder grüßte höflich und winkte. Wie es sich gehört bei einer Begutachtung, wurde zurückgeschaut. Nach jedem der 28 Lieder drehte sich die Masse um und starrte neugierig hinauf, ob sich was tat. Nein, geklatscht wurde nie. Außer von jener Dame im untersten Stock, die sich langsam überzeugen ließ. Vermutlich eine Portugiesin.

Zum Wesentlichen, musikalisch: Nach einem sanften Beginn wurde für ein paar Stücke abgerockt. Vor und auf der Bühne nahm der Enthusiasmus zu, Liedpause für Liedpause mehrten sich die in die Luft geworfenen Hände. Dann kamen die Hymnen wie das neue "Nothing As It Seems", "Alive", "Daughter". Bei Letzterem forderte "Die Stimme" zum Skandieren von Pink Floyds Anti-Establishment-Klassiker "Another Brick In The Wall" auf. "We don't need no thought control!".

Dann, nach der dritten von acht umwerfenden Zugaben, das erwartete Statement zur causa prima: "Uns wurde vorgeschlagen, hier nicht zu spielen. Damit wären jene bestraft worden, die das nicht verdient hätten. Wir wollen klarstellen, dass wir den Mist, der hier vorgeht, nicht unterstützen. Ganz im Gegenteil, "I give it a double fuck you", was sich schwer ohne Qualitätsverlust übersetzen lässt. Diejenigen, die sonst bestraft worden wären, jubelten. Eddie Vedder kennt sein Publikum.

Den Abschluss dieses musikalisch und symbolisch aufregenden Abends bildete jenes Lied, das für alle Ewigkeit den Rock mit der "Freiheit" verbindet: Das pathetische, aber wirksame "Keep on rockin' in the free world" von Vorbild Neil Young , gaben uns Pearl Jam mit auf den Weg. In einigen der Fenster ging das Licht aus.

Oberösterreichischen Nachrichten
06.2002
Christian Schädel
thx an Judith