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Pearl Jam auf dem Piazza del Duomo, Pistoia - Italien, 20.09.2006

Pearl Jam live in Italien! Gleich für fünf Konzerte beehrt die Band das Land von Pizza und Pasta. So viele wie in keinem anderen im Rahmen ihrer diesjährigen Europatour. Wir folgen ihren Spuren nach Verona, Mailand, Turin und heute zum Abschluss nach Pistoia. Dabei hatte insbesondere das Konzert in der Arena di Verona, einer römischen Gladiatorenarena aus dem 1. Jahrhundert, trotz Dauerregens bereits einiges an unvergleichlicher Atmosphäre zu bieten. Pistoia jedoch übertrifft das alles noch.

Die Stadt entstand um 200 v.Chr. und zählt heute etwa 88.000 Einwohner. Mittelpunkt des ringförmig angelegten historischen Stadtkerns ist der Domplatz, eingerahmt von allerlei mittelalterlichen Gebäuden und natürlich dem gotischen Dom aus dem 12. Jahrhundert. Pistoia ist bekannt für seine Blues- und Jazzfestivals. Auch solche Größen wie David Bowie oder Ben Harper haben hier bereits gespielt und angesichts der Schönheit dieser Location sicherlich ebenso ungläubig gestaunt wie wir. Am Nachmittag findet in den schmalen Gassen rund um den noch abgesperrten Platz ein Gemüsemarkt statt und die Cafés und Kneipen sind voller Pearl Jam-Fans. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und wir tauchen ein in das herrlich authentische italienische Flair. Ein Rausch der Sinne!

Dieser emotionale Ausnahmezustand erlebt seinen vorläufigen Höhepunkt, als wir endlich auf den Domplatz gelassen werden. Gegenüber des Doms steht die Bühne, die in dieser Umgebung fast wie ein UFO wirkt. Der ganze Platz hat die Größe eines halben Fussballfeldes. Am nächsten Tag wird die örtliche Tageszeitung von 10.000 Fans berichten, die hier heute Platz gefunden haben sollen. Es ist zwar knackig eng, aber so ganz kann ich das trotzdem nicht glauben. Ich tippe mal auf die Hälfte.

Die erste grosse Überraschung des Abends ist Eddie Vedder himself. Der nämlich kommt noch vor dem Opening Act My Morning Jacket alleine mit seiner Akkustikklampfe auf die Bühne und gibt ?Throw Your Arms Around Me? (im Original von The Hunters & Collectors) zum Besten. Geil! Wo er gerade mal da ist, begleitet er My Morning Jacket auch noch bei deren erstem Song und verschwindet dann vorläufig wieder. Bereits jetzt wogt die begeisterte Masse um uns herum wild hin und her, woran einige italienische Hitzköpfe nicht unbeträchtlichen Anteil haben. Leider trägt auch die Security nicht unbedingt zu einer Entspannung der Lage bei. Verwunderlich bei dem etwas schlafmützigen Südstaatenrock des Quintetts aus Kentucky.

Als dann um kurz nach 21 Uhr Pearl Jam mit ?Interstellar Overdrive? von Pink Floyd als Ouvertüre und ?Corduroy? ihr Set beginnen, gibt es erst recht kein Halten mehr. Eigentlich sollten wir aufgrund jahrzehntelanger Konzertbesuche abgehärtet sein, aber nach ?Rearviewmirror? und ?Life Wasted? wird es uns endgültig zu bunt und wir ziehen uns in den hinteren Teil des Platzes zurück. Dadurch ?verpassen? wir zwar ?World Wide Suicide?, der Vorteil eines Konzertes in Italien besteht für uns Mitteleuropäer jedoch darin, dass man bei den vergleichsweise kleingewachsenen Italienern selbst von ganz hinten freie Sicht hat. Auch hier ist die Stimmung grandios, vor allem aber hat man ausreichend Platz zum Tanzen und Atmen.

Ich lasse mich nun komplett von der Atmosphäre gefangen nehmen. Die Gebäude rings um den Domplatz werden von der Lightshow mal blau, mal lila illuminiert und an den Fenstern der umliegenden Häuser kommen einige Leute in den Genuss eines Free-Concerts. Später verhilft ihnen Eddie Vedder zu ihrem ganz persönlichen Auftritt, als er sie während ?Porch? der Reihe nach mit seiner Gitarre anstrahlt, die er in einen Reflektor für das Scheinwerferlicht umfunktioniert.

Bis dahin rocken Pearl Jam mit ?Severed Hand? und ?Unemployable? vom neuen Album weiter. Ich befürchte kurz, dass sie wie am Abend zuvor in Turin das Album komplett durchspielen. Das folgende ?Small Town? befreit mich aber schnell von dieser ?Sorge?. Die Fans singen so laut, wie ich es bei keinem der übrigen Italien-Gigs erlebt habe und Vedder erzählt im Gegenzug wieder einiges auf Italienisch. Unter anderem, dass die Band beim nächsten Mal gleich einen Monat hier touren will. Obwohl er leider nicht sagt, wann dieses nächste Mal genau sein soll, wird jeder Satz frenetisch bejubelt. Die Stimmung ist absolut gigantisch und den Rest des Mainsets von ?Dissident? über ?I Got Shit?, ?Evenflow?, das grossartige ?Breath? bis hin zu ?Why Go? und dem bereits erwähnten ?Porch? erlebe ich wie in Trance. Die Atmosphäre ist mit Worten kaum zu beschreiben und ich bin dankbar für die Pause.

Die reicht gerade für die Versorgung mit frischem Bier, da steht Eddie Vedder auch schon wieder auf der Bühne und mit ?Last Kiss? geht es weiter. Anschließend lassen es die Sechs mit ?Hail Hail? und ?State Of Love And Trust? weiter krachen. Das folgende ?Black? erlebe ich heute so intensiv wie noch niemals zuvor und zu meiner stabilen Gänsehaut gesellt sich ein felsbrockengrosser Kloß im Hals. Bei ?Crazy Mary? ist dann die Stunde von Teilzeit-Keyboarder Boom Gaspar gekommen. Der Song zeugt noch einmal eindrucksvoll von Pearl Jam`s besonderer Spielfreude an diesem wundervollen Abend. Danach gerät der Platz während ?Alive? kurzzeitig ins Wanken.

?Last Exit? eröffnet dann den zweiten Zugabenblock. Mit ?Do The Evolution? und ?Wasted Reprise? biegen Pearl Jam langsam auf die Zielgerade ein. ?Betterman? wird zu einem weiteren Highlight, als die Fans fast den gesamten Gesangspart übernehmen. Bei ?Rocking In The Free World? von Neil Young lässt es sich Vedder dann nicht nehmen, wie in alten Zeiten sogar zwei Etagen an der Bühnenkonstruktion hochzuklettern. Der Blick von dort oben muss wahrlich atemberaubend sein. Nach fast drei Stunden bildet dann ?Yellow Ledbetter? den endgültigen Schlusspunkt. Ich bin fix und fertig, laufe förmlich über vor Glück und bin mir in diesem Moment sicher, nie wieder ein besseres Konzert als dieses erleben zu können.

Als wir anschließend ausgepumpt noch bis tief in die Nacht in den Gassen rund um den Domplatz sitzen, sehen wir nur erschöpfte, aber glückliche Gesichter. Wie wir erfahren, sind es Gesichter aus Italien, Deutschland, der Schweiz oder Holland. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sagen ?Danke Pearl Jam? und ?Danke Pistoia? für dieses unvergessliche Erlebnis!

Für alle Zweifler, die nicht nachvollziehen können, dass man innerhalb von drei Wochen gleich sechs Konzerte einer einzigen Band besuchen kann, noch eine abschließende Info: Bei ?unseren? Konzerten in Arnheim, Antwerpen, Verona, Mailand, Turin und Pistoia wurden 168 Songs gespielt. Da die Setlisten bei Pearl Jam jedoch ständig variieren, hörten wir dabei insgesamt 65 verschiedene Stücke. Das macht fast elf unterschiedliche Songs pro Abend. Soviel zu diesem Thema!

Vielen Dank an Thomas Kröll für dieses Reviews.

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