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Der (subjektive) Vergleich

Auszug aus dem Gästebuch von vitalogy.de:

Achelchen: Jack Irons ist doch einfach der ultimative Pearl Jam Schlagzeuger, alle vor ihm waren nur Platzhalter und Matt Cameron reicht trotz seiner unbestrittenen Qualitäten bei weitem nicht an ihn heran, ich hoffe, dass es Jack Irons bald wieder gut geht, nur er ist der Richtige. Ed, Eddie oder wasimmer Vedder könnte vielleicht ersetzbar sein, oder Mike McCready oder auch Jeff Ament oder Stone Gossard, aber Jack Irons ist es nicht

Enzo: .... PS: Sagt dem typ mal einer wie komisch ein Schlagzeuger allein auf der Bühne aussieht!

Achelchen: Mein lieber Enzo,
Wie ich dir bereits in eine Mail direkt mitteilte spricht man von Ersetzen dann, wenn etwas oder jemand hinweggenommen wird und umgehend und im Austausch dafür etwas oder jemand anderes dafür hingestellt wird, somit der Schlachzeuger nicht alleine auf der Bühne wäre.
Außerdem müsste aus meinen Worten hervorgehen, dass ich die Wahrscheinlichkeit, dass sich adäquate Leute finden ließen, die Ed, Stone, Jeff oder Mike ersetzen könnten, für infini - äh Tassenstößel gering halte.
Nun ist Matt Cameron unbestritten um Klassen besser als diese Daves und wer sonst noch am Schlagzeug bei PJ saß, aber er spielte bei Soundgarden und gehörte da hin, da sein (Jack Irons' recht ähnlicher) Stil dort hingehörte, er war (wie ich dir schon schrieb) irgendwie der Fuß in der Tür zur Realität, aber bei Pearl Jam ist das einfach fehl am Platze. Natürlich ist Pearl Jam auch mit Gastschlagzeuger Matt Cameron eine klasse Band, aber das Optimum stellt das Spiel Jack Irons' dar.

Vorwort

Naja, es kann jeder seine persönliche Meinung dazu haben und jeder hat sicherlich seinen Pearl Jam-Lieblingsdrummer, jedoch wäre es mir nicht möglich irgendeinen Drummer (sei es einer der beiden Matt´s, noch den beiden Dave´s oder Jack), der in Diensten von Pearl Jam stand, als irgendeinen Platzhalter zu bezeichnen. Dafür habe ich eine zu große Achtung vor deren Leistungen und deren Können. Alle Fünf sind Profi-Schlagzeuger und jeder der einmal hinter diesem Instrument saß, weiß wie schwer es ist, einer Band den besonderen Groove inklusive dem nötigen Timing zu geben. Zudem hat jeder dieser fünf Drummer sein eigenes individuelles und großartiges Spiel, daß weder mit dem einen noch mit dem anderen vergleichbar ist.

Zu den einzelnen Drummern:

Dave Krusen

Dave Krusen war wohl der minimalistischste Drummer bei Pearl Jam. Er sorgte für den nötigen Groove und verlieh den Songs eine unglaublich "geheimnisvolle" Charaktere. Sein Drumming war genau das Richtige für eine Band, die ihre ersten Longplayer einspielte. Einprägsam und ohne jede Schnörkel verschaffte Dave Krusen den Platz, welche das detailverliebte Spiel der Bandkollegen benötigte. Eingebettet in den Sound von Stone, Mike und Eddie, lieferten Jeff und Dave eine sehr direkte und einfühlsame Rhythmusarbeit. Seine raffinierten Breaks und Fill-In´s geben den Songs den nötigen Ausdruck, ohne die hervorragende Musik zu überdecken. Krusen begleitet nicht nur den Song, sondern setzt durch sein sehr überlegtes Spiel Akzente. Er hat ein sehr gutes Gespür für die Musik und deren Rhythmik. Das Album ´Ten´ ist mehr als nur ein Beweis für seine Klasse.

must hear: ´garden´
´Garden´ ist ein Song, der bestimmt wird durch die sehr ausdruckstarke Gitarrenarbeit von Mike und Stone. Krusen läßt schon anfangs durch sein sehr straightes Spiel - die durchgehende Ride und den Rimshots auf 2 und 4 - dem Gitarrenspiel sehr viel Raum. Die Bass-Drum setzt mit Jeff´s Bass-Line einen dezenten Groove, der dem Song ein schönen Flow gibt (der Song erscheint, als ob er wie ein Surfbrett über das Wasser gleitet). Sehr dezentent akzentuiert Krusen den Song mit offbeathaften Crash- und Rideglockenschlägen. Ein unspektakulärer Fill-In auf der Snare-Drum "läutet" den Chorus ein und mit ihm verschmelzen die verzerrten Gitarren und der sehr emotionale Gesang von Eddie. Mit dem sehr akzentuierten Spiel auf der Ride, der zerfetzenden Snare-Drum und der sparsamen, aber groovebetonten Bass-Drum, treibt er den Chorus voran. Die Bassarbeit von Jeff wird mit offbeathaften Crash- und Bassdrumschlägen gepaart mit sehr sparsamen und eingangigen Fill-In´s unterstützt. Am Ende des Chorus läutet Krusen mit einem Glockenschlag die zweite Strophe ein, usw.. Ein sehr schöner und dezent gespielter Song, der aufgrund der wunderbaren Soli´s keine anderen Drumlicks verkraften würde. Mike und Stone´s Gitarren benötigen unglaublichen Platz und Dave schafft ihnen den Raum.

Matt Chamberlain

Matt Chamberlain ist einer der vielseitigsten Drummer. Die Liste seiner Einsätze bei Studioaufnahmen unterschiedlichster Bands und Solokünstlern ist sehr lang. Er ist in der Lage die Wünsche seiner "Brötchengeber" in Sachen Groove und Ausdruck zu entsprechen, ohne dabei seiner eigenen Linie untreu zu werden. Es ist Allgemeinen recht schwer sich als Studiomusiker einen Namen zu machen - er zählt auf jeden Fall zu den namhaften. Matt Chamberlain ist einer der wenigen Rockdrummer, der mit dem Traditonal Grip (Klassischen Griffhaltung) spielt. Ich denke, daß nicht viele Drummer von sich behaupten können, diese Haltung vollkommen zu beherrschen. Matt Chamberlain kann es in ausdrucksvoller Art und Weise. Sein Drumming ist sehr relaxt und groovy, gibt aber auch der Band die nötige Power, wenn der Song dies verlangt. Matt Chamberlain war aufgrund dieser Eigenschaften, obwohl er mit der Musik von Pearl Jam nichts anfangen konnte, ein guter "Ersatz". Er gab der Band den nötigen Rückhalt, bis diese einen neuen Schlagzeuger gefunden hatte.

must hear and see: ´alive´ - live (MTV-Promotionvideo)
Das Promotionvideo zu ´Alive´ entstand als Livemitschnitt während eines Gigs im RKCNDY. Obwohl Matt bis zu diesem Zeitpunkt nur knapp 2 Monate bei der Band und dabei lediglich eine Handvoll Gigs spielte, besticht er durch seine ruhige Ausstrahlung und seinem exaten und druckvollen Drumming. Die Band fühlt sich aufgrund des perfekten Rückhaltes von Matt sicher und die Jungs strotzen nur so vor Spielfreude. Auch Chamberlain scheint der Gig zu gefallen, obwohl er mit der Musik von Pearl Jam nicht ganz warm wurde: er wirbelt, er akzentuiert, er hämmert, er groovt, er powert, er relaxt als ob es ab morgen keine Konzerte mehr geben würde. Eine sehr geile Liveversion von ´Alive´. | 1000 Dank an Berina für die Videocassette und special thanx to christian für die Erweiterung meines Videofundus.

Dave Abbruzzese

Dave Abbruzzese hat wohl unter den Matched Grip-Drummern die perfekteste Technik, welche ihm schnelle Fill-In´s und sehr verblüffende Breaks ermöglicht. Sein Drumming konzentriert sich recht stark um seine Hi-Hat und seine vielen Cymbals (Becken). Er fügt in bei langsameren und groovebetonten Stücken recht oft 32-tel oder 16-tel Fill-In´s auf der Hi-Hat ein, während er die Band in einem simplen 4/4 Takt begleitet. Dieses sehr detail-verliebte Spiel macht einen simplen Song, der im 4/4 Takt geschrieben wurde, sehr groovy. Es ist im Allgemeinen recht schwer, bei einer großen Menge an Fill-Ins und unterschiedlichen Betonungen mit den Cymbals, den Groove und das Timing zu halten, ohne das der Song holbrig wird. Zudem benötigt man bei Abbruzzese´s Drumset eine überragende Koordination, da dieses Set eine enorme Instrumentierung aufweist.

must hear: ´daughter´
Der Song ´daughter´ zeigt sehr deutlich Abbruzzese´s detailverliebtes Spiel. Das Intro beginnt mit einen groovebetonten 16-tel Hi-Hat-Beat mit 4/4 Akzentuierungen auf der offenen Hi-Hat. Erst zur Mitte der Strophe treibt er mittels eines sehr bassbetonten Grooves den Song voran. Immer wieder einfließende 16-tel Fill-In´s auf der Hi-Hat, verpassen dem ohnehin sehr starken Groove das Tüpfelchen auf dem i. Die galoppierende Bassdrum und peitschende Crashschläge unterstreichen Jeff´s sehr schöne Bassline, welche später durch sehr intersante Fill-In´s in den sehr straight gespielten Pre-Chorus mündet. Die Hi-Hat ist nun halb-geöffnet und wird auf die 4-tel gespielt. Der sehr geile Groove wird beibahlten und verschmelzt sich anschließend mit der Chorus. Glockenschläge mit Ride-Akzenuierungen begleiten den unbeirrbaren Groove der Bassdrum... Ein sehr verspielter und sehr genialer Song, bei dem man immer wieder neue Details heraushören kann.

Jack Irons

Jack Irons brilliert nicht gerade durch seine Technik, da er seit seiner Schulterverletzung stark gehandicapt ist und sein Spiel dadurch etwas "hinkt" (Ich denke, ihr kennt die Szene auf dem ´Single Video-Theory´-Video, als Jack seinen rechten Arm in ein Eisbad taucht - uha ist das kalt :-). Die überragende Stärke von Jack ist es, sein Drumming auf den Song so einzustellen, daß es paßt. Er begleitet nicht nur die Band, sondern er spielt mit dem Song. Stone Gossard beschrieb einst Jacks Arbeitsweise bei Proben so: "Jack nimmt den simpelsten Baustein, der nötig ist, dann beginnt er zu subtrahieren, zu addieren und zu akzentuieren. Es ist eine Freude, zur Probe zu kommen und ihn zu sehen." "Fehlende" Technik kompensiert Irons durch sein unglaubliches Gespür für die Musik und deren Rhythmik. Zu Jack Irons Markenzeichen gehört es, die Toms, welche bei vielen Drummer nur für Fill-In´s genutzt werden, in das Spiel stets einzubeziehen. Zudem experimentiert er ständig mit neuen Sounds und Instrumentierungen. Zu den Yield-Sessions hat sich Jack eigens ein 22 Inch großen Mülltonnendeckel zugelegt (Wer weiß, wo in Seattle einer Mülltonne nun der Deckel fehlt ;-))

must hear: ´given to fly´
Der Song beginnt mit einem scheinbar einfachen Groovelick auf den Toms verbunden mit unregelmäßigen, in Achteln hämmerten, Rim-Shoots. Die Snare- und Bassgroove bilden dabei das Rückgrat. Der Drumlick bäumt sich wie eine Welle zum Pre-Chorus immer mehr auf, indem nacheinander vermehrt die Ride, die auf-und-zugehende Hi-Hat und später auch die Snaredrum in Erscheinung tritt, ohne die Charakere des Grooves zu stören. Zum Chorus hin verläßt Irons mit schlafwandlerischer Sicherheit den sich aufbäumenden Groove und sein Drumming explodiert in dem fullminaten Chorus. Dieser Spiel wiederholt sich von neuem - wie bei einer Welle, die gegen einen Felsen brescht. Ein sehr schöner Song!!!

Matt Cameron

Er ist ein Meister des Drummings jenseits des 4/4 Rockschemas. Wer sich schon mal den Spaß gemacht hat, die Takte auf Soundgardens ´Superunknown´ durchzuzählen, der hat wohl frustriert nach ein paar Minuten aufgeben (so erging es mir beim ersten Mal). ´Superunknown´ ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie flexibel Matt während der Songs zwischen einzelnen Taktarten hin und her wechselt, ohne daß es sich holbrig anhört. ´Fell on Black Days´ beginnt mit einem lupenreinen 6/8 Takt, verwandelt sich in den Breaks kurz in einen 2/4 Takt, um im Chorus wieder im 6/8 Takt zu laden. Das erste Soli wird im 4/4 Takt begleitet, usw.... So vollbringt Cameron bei Soundgarden, speziell auf der Platte ´Superunkown´ eine Rhythmusakkrobatik, die seines gleichen sucht. Cameron hat eine sehr guten Technik - er beherrscht sowohl den Tradional sowohl auch den Matched Grip - was wohl nicht jeder Drummer von sich behaupten kann. Auch ist es für Matt kein Problem zwischen den einzelnen Musikstilrichtungen zu wechseln. Er spielte u.a. auch in der Jazz-Band ´Tone-Dogs´. Matt Cameron hatte zur Vorbereitung auf die Yield-Tour´98 nur wenige Wochen Zeit. Um so erstaunlicher ist es, wie Matt die Songs präsentiert, ohne deren Charaktere zu verändern. Matt kopierte nicht einfach die Songs, sondern veränderte die Drumlicks und brachte seine ganze Klasse in die Musik ein.

must hear: sleight of hand
Dieser Song wird bestimmt durch einen groovigen 5/4 Takt während den Strophen, welcher mit Death-Note-Phrasierungen einen sehr a-rhythmischen Touch bekommt, sich aber an ein gewisses Grundschema hält, welches einen sehr verblüfft. Sicherlich beinhaltet das Drumming von Matt Cameron Elemente, die man gewöhnlich bei Soundgarden findet. Dies stört jedoch kein bißchen, da der Song trotz der unüblichen Spielweise seine ursprüngliche Pearl Jam-Charaktere behält. Matt öffnet durch seine interessanten Drumlicks neue ungeahnten Möglichkeiten. Mich erinnert der Song stark an die melancholischen Klassiker ´Indifference´, ´Garden´ und ´Release´!!!

Fazit

Wie hätte sich wohl das Album ´Ten´ angehört, wenn anstatt Dave Krusen Matt Cameron hinter den Drums gesessen wäre? Wo würde Pearl Jam jetzt stehen, wenn Abbruzzese nicht gefeuert worden wäre? Wie hätte sich das Binaurel-Album angehört, wenn Jack Irons nicht so schwer krank geworden wäre? Was wäre, wenn Matt Chamberlain doch gefallen an der Musik von Pearl Jam gefunden hätte? ... In diesem Sinne kann ich nur dazu sagen, daß es so kam wie es kommen mußte. Dave Krusen trug zu dem absoluten Klassiker ´Ten´ bei, Matt Chamberlain sorgte für die nötige Ruhe, damit sich die Band nach einem neuen Drummer umzuschauen konnte, Abbruzzese stieß mit den Longplayern ´Vs.´ und ´Vitalogy´ neue Tore auf. Jack Irons festigte die Band mit den LP´s ´No Code´ und ´Yield´ und mit seiner Persönlichkeit. Matt Cameron hat bei den Alben ´Live On Two Legs´ und ´Binaurel´ gezeigt, daß er mehr ist, als nur ein "Ersatzdrummer". Und die Band fühlt sich mit ihm wohl (das ist doch das wichtigste!!!). Was die Zukunft bringt weiß keiner. Ob Cameron das neue Album mit aufnimmt? Ob Jack Irons sein Comeback feiern wird? Es steht alles in den Sternen. Nur eins ist wichtig: zu jeder Zeit hatte Pearl Jam einen sehr guten Drummer, der zu ihnen paßte, auf den sie sich verlassen konnten und der schließlich dazu beitrug, daß sich ihre Musik stets weiterentwickelt hat.

Wäre dies alles nicht passiert, hätten wir dann sonst so überragende Alben voller starker Musik? Wohl kaum!!!

Michael Vogel für vitalogy.de

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